Wenn das Leben entgleist
- Karin Hahn

- vor 4 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Von der Achterbahn, dem schwarzen Loch und dem Licht im Riss
Eigentlich wollte ich heute über gesunde Ernährung schreiben. Über grüne Energie, nachhaltige Pflege und mein Ziel, mein Leben mit Ringana bewusster zu gestalten. Doch die Wahrheit ist: Ich sitze gerade am Boden einer Achterbahn, die völlig außer Kontrolle geraten ist.
Mein Leben rast. Mal vor, mal zurück. Mal so langsam, dass jede Sekunde wie Blei wiegt und dann wieder so schnell, dass ich das Gefühl habe, jeden Moment zu entgleisen. Und das Schlimmste: Es gibt keinen Stopp-Knopf.
Die Scham der Wiederholung
Da ist sie wieder. Diese Schwere, die sich ohne Vorwarnung über mich legt. Gerade dachte ich, es geht endlich wieder bergauf, ich habe Licht am Ende des Tunnels gesehen, doch im nächsten Moment zieht mich das schwarze Loch wieder ein. Ohne Gnade.
In mir tobt ein Kampf, den niemand sieht. Auf der einen Seite ist die Frau, die den Wert von reiner Pflege und gesundem Essen kennt. Auf der anderen Seite ist diese Lähmung. Mein Essverhalten ist gerade ein einziges Chaos.
Ich werde ehrlich zu dir sein: Ich schäme mich. Ich fühle mich oft wie eine Heuchlerin, wenn ich von "Vollsinnhappy" schreibe, während ich mich gerade eher "Vollsinnhilflos" fühle. In diesen Momenten ist das naschen kein Genuss mehr, sondern eine Betäubung für eine Leere, die so tief ist, dass kein Salat der Welt sie füllen könnte.
Das höhnische Lachen der Warteliste
Es ist nicht nur das Essen. Es ist alles. Dinge, die früher leicht von der Hand gegangen sind, fühlen sich heute an wie das Besteigen des Mount Everest. Die Erschöpfung sitzt nicht nur in meinen Knochen, sie sitzt in meiner Seele.
Ich habe mich entschieden: Ich brauche Hilfe. Ich werde eine Therapie machen. Doch die Realität heißt: Wartliste. Dieses Warten fühlt sich in dunklen Momenten an wie ein höhnisches lachen. Als würde mir das Leben sagen: "Du willst retten? Warte noch ein bisschen, während du weiter untergehst." Diese Ungewissheit ist lähmend. Man frag sich: Werde ich jemals ankommen? Oder werde ich für immer gegen dieselben Dämonen kämpfen?
Gott in den Trümmern meines Willens
Warum erzähle ich das so ungeschminkt? Weil ich glaube, dass wir aufhören sollten, Gott eine aufgeräumte Fassade zu präsentieren. Wir denken oft, wir müssen ihm eine perfekt geputzte Wohnung in unseren Herzen vorzeigen.
Aber was, wenn Gott gerade in der unordentlichen Küche meines Lebens sitzt? Mitten zwischen Süßigkeitenpapeieren, der zerbrochenen Disziplin und dem liegengebliebenen Haushalt?
Gott sitzt nicht erst am Ende der Therapie auf mich wartend da. Er sitzt mitten in dieser außer Kontrolle geratenen Achterbahn. Er sieht nicht die ungesunde Mahlzeit; Er sieht sein erschöpftes Kind, das gerade keinen anderen Trost weiß als den Griff zum Zucker. Er sieht den Riss in mir und genau dort fällt sein Licht hinein.
Die Zuversicht im "Noch nicht"
Heilung ist kein linearer Weg nach oben. Es ist eine Spirale. Manchmal fühlt es sich so an, als wären wir wieder am selben Punkt wie vor einem Jahr - aber wir sind es nicht. Wir sind tiefer verwurzelt. Wir sind ehrlicher. Wir sind bedürftiger nach seiner Gnade.
Die Zuversicht, nach der ich suche, ist kein billiger "Tschakka-Moment". Sie ist die Erkenntnis: Ixh kann es nicht aus eigener Kraft. Und genau dort, wo mein "Ich will" und mein "Ich muss" stirbt, fängt seine Gnade an.
Ankommen bedeutet nicht, dass der Kampf aufhört. Ankommen bedeutet, dass wir lernen, im Kampf nicht mehr allein zu sein. Es bedeutet, dien Hand dessen zu ergreifen, der den Weg bereits kennt, auch wenn die Lebens-Achterbahn gerade kurz vor dem Entgleisen scheint.
Was wir heute tun können
Wenn der Berg zu hoch ist, schauen wir nicht auf den Gipfel. Wir schauen nur auf den nächsten Millimeter:
Annahme des Ist-Zustandes: Ja, ich nasche gerade zu viel. Ja, ich bin gerade nicht die "Green-Life-Botschafterin", die ich gerne wäre. Aber Gott liebt mich in diesem Moment nicht weniger als an meinen besten Tagen.
Gnade als Kraftquelle: Echte Veränderung kommt nicht aus der Selbstverurteilung. Wenn ich aufhöre, mich für meinen Rückfall zu peitschen, bekommt meine Seele wieder Luft zum Atmen.
Der Glaube an das Morgen: Nur weil heute die Schwere gewonnen hat, heißt das nicht, dass sie für immer bleibt. Gottes Barmherzigkeit ist jeden Morgen neu, auch für mich.
Trotz der Warteliste und der Erschöpfung ist da dieser winzige Funke in mir. Er flüstert: "Es wird wieder heller werden." Nicht durch meine eiserne Disziplin, sondern weil ER das gute Werk, das er in mir begonnen hat, auch zu Ende führen wird (Philipper 1,6).
Lass uns heute einfach nur "SEIN". Wir dürfen erschöpft sein. Wir dürfen versagen. Und wir werden trotzdem über alle Maßen geliebt.
Morgen sehen wir weiter.
Deine Karin 💛
Kennst du dieses Gefühl auch, wenn die Achterbahn deines Lebens gerade keine Pause macht? Stehst du vielleicht selbst an einem Punkt, an dem die Disziplin nicht mehr ausreicht und du einfach nur noch auf ein "heller werden" wartest? Schreib mir gerne deine Gedanken und die Kommentare, ich lese jedes Wort und würde mich freuen, wenn wir ein Stück dieses Weges gemeinsam gehen.




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